Commentaires Juni 2026
Commentaires Nr. 41
Frankfurt, 30. Juni 2026
Frankreich und Deutschland tun sich sichtlich schwer, sich abzustimmen, während Trump nicht nur einen
kostspieligen Krieg im Iran führt, sondern Europa auch damit droht, ihm den Zugang zu den neuesten
Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz zu verwehren.
Paris und Berlin zeigen denselben Willen, die digitale Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern.
Im Anschluss an den Digitalgipfel in Berlin im vergangenen November haben Frankreich und Deutschland
zudem anlässlich der Messe Vivatech, die im Juni in Paris stattfand, ihre Absicht bekundet, die digitale
Souveränität zu stärken. Das Insttitut National de Recherche en Informatique et Automatique (INRIA) und das
Forschungszentrum für KI sollen die – wenn möglich gemeinsame – Nutzung des von der Europäischen
Kommission zur Förderung der digitalen Infrastruktur bereitgestellten Budgets in Höhe von 200 Milliarden Euro
optimieren.
Was den Konflikt mit dem Iran angeht, hat Friedrich Merz vollkommen Recht, wenn er sagt, dass die
Vereinigten Staaten ohne Strategie in den Iran-Krieg gezogen sind, denn tatsächlich handelt es sich um die
Strategie eines israelischen Ministerpräsidenten, dessen Beliebtheit wieder steigt und der damit erneut einer
gerichtlichen Auseinandersetzung entgeht. Als Vergeltungsmaßnahme kündigte Donald Trump den Abzug von
5.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten an. Ähnlich wie die einst von Obama in Syrien gezogene rote
Linie sind die Folgen des amerikanischen Vorgehens im Iran für andere schmerzhaft. Die Europäer und noch
mehr die Asiaten müssen einen hohen Preis für ihre Energieimporte zahlen, während der Schieferöl-Boom zu
beispiellosen Überschüssen führt.
Berthold Kohler, Herausgeber der FAZ schrieb am 1. April: „Wer will das bei einem irrlichternden Präsidenten
wie ihm vorhersagen? Eines aber ist schon lange klar, eine aus Trumps Widersprüchen herausragende
Konstante: seine tiefsitzende Abneigung gegenüber den Europäern und sein Desinteresse an der Erhaltung des
atlantischen Bündnisses. (…) Auch in Berlin klammert man sich an die schon verzweifelt wirkende Hoffnung,
dass es bei den Republikanern noch genügend „Vernünftige“ gebe, die einen Abzug der Amerikaner aus Europa
oder gar die formelle Aufkündigung des NATO-Vertrags verhindern werden. Doch darauf brauchte Putin nicht
erst zu warten, wenn er das von Trump unterminierte Bündnis testen und endgültig sprengen wollte, etwa mit
einem Überfall seiner „grünen Männchen“ auf das Baltikum. (…) Europa ist in der Konfrontation mit dem
großrussischen Imperialismus weitgehend auf sich selbst gestellt. Es muss das endlich begreifen und die
Konsequenzen daraus ziehen, bis hin zur nuklearen Aufrüstung.
Stefan Kornelius, der Sprecher der deutschen Bundesregierung, erklärte dazu: „Angesichts der anhaltenden
russischen Bedrohung für Europa und des Angriffskriegs gegen die Ukraine kommt der Sicherheits- und
Verteidigungsindustrie eine entscheidende Bedeutung zu. Aus Sicht der Bundesregierung macht diese
geopolitische Lage eine Stärkung der Kapazitäten der Verteidigungsindustrie erforderlich“, kommentierte er
seinerseits. „Die Bundesregierung beabsichtigt insbesondere, die bilaterale und europäische Zusammenarbeit
im Rüstungsbereich zu verstärken. Die Zusammenarbeit mit Frankreich spielt dabei eine Schlüsselrolle.“
Nach dem herben Scheitern des SFAC haben sich Frankreich und Deutschland auf eine paritätische Aufteilung
des Kapitals von KNDS, dem Hersteller des Caesar und des Leopard-Panzers, geeinigt. Deutschland wird sich
(über die KfW) mit 40 % am Kapital beteiligen, wenn das Unternehmen in Paris und Frankfurt an die Börse geht.
Die Ankündigung des „Capint“ durch KNDS auf der Eurosatory-Messe untermauert den Willen, sich als deutsch-
französischer Konzern zu präsentieren: Dieser Panzer basiert auf einem vom deutschen Leopard 2 abgeleiteten
Fahrgestell und einem ferngesteuerten französischen Ascalon-Turm. Dieser Kampfpanzer soll den
französischen Leclerc und den Leopard II ersetzen, bis der „Kampfpanzer der Zukunft“ – MGCS – zur Verfügung
steht.
Derzeit werden jedoch noch immer mehr als 60 % der Beschaffungen der 27 Mitgliedstaaten in den USA
getätigt. Der Anstieg der Bestellungen seit dem Krieg in der Ukraine hat die Abhängigkeit von den Vereinigten
Staaten weiter verstärkt: Laut Ernst & Young entfielen fast 80 % des Ausgabenanstiegs seit 2022 auf
Lieferanten außerhalb der Union, davon 63 % jenseits des Atlantiks.
Nach dem Scheitern von Viktor Orbán und der Wahl von Peter Magyar in Ungarn kann Europa nun über die 90
Milliarden verfügen, die ursprünglich zur Unterstützung der Ukraine bewilligt, dann aber von Ungarn blockiert
wurden: Europa finanziert damit den Kauf von amerikanischem Material, seit Donald Trump die Unterstützung
für die ukrainischen Kriegsanstrengungen endgültig eingestellt hat.
|
(Mrd. Euro) |
Insgesamt |
Finanziell |
Humanitär |
Militär |
|
USA |
115,4 (119) |
47,3 (50) |
3,5 (3,4) |
64,6 (65,6) |
|
UK |
21,4 (32,3) |
3,8 (5,6) |
1,4 (1,4) |
16,2 (25,3) |
|
Japan |
12,2 (18,8) |
10,4 (16,1) |
1,7 (2,6) |
0,1 (0,1) |
|
TOTAL EU (inkl. Kommission) |
181,3 (326,8) |
87,4 (137,0) (*) |
14,9 (16,4) |
79,1 (173,4) |
|
Deutschland |
29,9 (47,7) |
1,7 (1,7) |
4,1 (4,1) |
24,2 (42,0) |
|
Frankreich |
7,9 (10,3) |
0,8 (0,8) |
0,9 (1,0) |
6,2 (8,6) |
|
Polen |
5,9 |
0,9 |
0,5 |
4,5 |
|
Niederlande |
10,7 |
0,7 |
1,1 |
8,9 |
|
Dänemark |
11,0 |
0,1 |
1,0 |
10,0 |
Ukraine-Hilfe Auszahlungen (in Klammern Zusagen)
Quelle : Kieler Institut für Weltwirtschaft, Ukraine support Tracker, Daten zum 30. April 2026 (*)
Mit dem Berufungsurteil gegen Marine Le Pen am kommenden 7. Juli wird der Wahlkampf für die
Präsidentschaftswahlen in Frankreich endgültig beginnen. Frankreich, das aufgrund seiner hohen
Verschuldung finanziell bereits geschwächt ist, wird sich auf die innenpolitische Lage
konzentrieren. Es ist nun an Deutschland, Initiativen zu ergreifen, um Europa zu stärken.
Christophe Braouet
