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CHARLEMAGNE und die gelebte deutsch-französische Freundschaft im Frankfurter Römer

Im festlichen Rahmen des Kaisersaals verleiht seit 2011 alljährlich die Deutsch-Französische Gesellschaft Frankfurt (DFG) unter Mitwirkung des staatlichen Schulamts den besten Französischschülern den DFG-Preis. Anlass dafür ist der am 22. Januar 1963 beschlossene Élysée-Vertrag, in dem Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Grundstein für die anhaltende deutsch-französische Freundschaft besiegelten. 55 Jahre später war in diesem Jahr die Atmosphäre zur Verleihung des Schülerpreises im Frankfurter Römer eine ganz besondere. Es war der Ton, der die Musik machte. Dafür waren nicht allein die Finalisten des Wettbewerbes aus den Grund- und Leistungskursen Französisch aus 20 Schulen Frankfurts und der Umgebung verantwortlich, welche durch ihre lebendigen Beiträge anschaulich machten, dass diese besondere Freundschaft weiter Bestand hat und stetig vertieft wird, sondern auch das gesamte Arrangement der Veranstaltung.

Das Blechbläserquintett der Frankfurter Bläserschule variierte den Kanon „Frère Jacques“ mal laut, mal leise, mal schnell, mal langsam 

Der Schüler (leider nur einer!) und die Schülerinnen trugen jeweils einen kurzen selbstformulierten Text zu einem freigewählten Thema vor. So beschrieb zum Beispiel Anna Moll ihren Besuch im burgundischen Taizé, der ihr zum größeren Verständnis Andersgläubiger verhalf und zudem ihr eigenes Selbstbewusstsein stärkte, während Elmira Jazdanifar, Tochter einer ukrainischen Mutter und eines iranischen Vaters, in „L’image stéréotypté d’un parisien“ ironisch-spielerisch mit den „Parisiens“ und ihren Macken umging.


Erste Reihe v.l.n.r.: Generalkonsulin Pascale Trimbach neben dem Bürgermeister 

Auch die Reden machten die neue historische Herausforderung deutlich, die des Bürgermeisters Uwe Becker, der mit feierlicher Amtskette gekommen war und streckenweise frei und souverän auf Französisch sprach, als auch die komplett auf Deutsch gehaltene Rede der französischen Generalkonsulin Pascale Trimbach, die ihre Erlebnisse vom Tag der offenen Tür im Konsulat berichtete, für den sie eigens im Quai d’Orsay nachgefragt hatte, ob sie die deutsche und die französische Flagge am Konsulat hissen dürfe, da es sich ja um die Landesrepräsentanz Frankreichs handelte. Es wurde ihr genehmigt.

Abgesehen vom selbstverständlich wirkenden sprachlichen Rollentausch der beiden Redner am symbolischen Ort im Kaisersaal war „unser gemeinsamer Kaiser“, Karl der Große/ Charlemagne, auf dem Wandbild am Ende des Saales mit seinen visionären europäischen Ideen auch in den Reden präsent. Man nahm explizit Bezug auf ihn.

Bürgermeister Uwe Becker empfängt Präsident Christophe Braouet

Warum ist es wichtig, Schüler dafür zu preisen, dass sie mit Eifer und guten Ergebnissen sich dem Erlernen der französischen Sprache und der damit verbundenen Kultur  widmen? Das hat durchaus auch pragmatische Gründe. So ist nach den gelebten 55 Jahren deutsch-französischer Freundschaft in vielen Bereichen der Kultur und Wirtschaft die enge deutsch-französische Zusammenarbeit eine nicht mehr wegzudenkende Realität. Dabei kommt der französischen Sprache eine besondere Bedeutung zu.

Im beruflichen wie auch im privaten Bereich ist allein für die Mobilität der Bürger der Europäischen Union die Mehrsprachigkeit ein großer Vorteil, wenn nicht gar unerlässlich. Einmal abgesehen davon, dass unser Nachbarland noch immer zu den beliebtesten Reiseländern gehört, ist Frankreich auch der wichtigste Handelspartner Deutschlands.

Beide Länder haben ihre kulturellen Eigenheiten bewahrt, was bei Geschäftsverbindungen häufig ignoriert wird. Den Nachbarn zu verstehen, gehört also zu den wichtigsten Voraussetzungen eines guten Geschäfts, weswegen sich auch die Gesellschaft zum Ziel gesetzt hat, „zu einer besseren Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich beizutragen, stereotype Vorurteile abzubauen und die Verständigung zwischen beiden Ländern zu vertiefen“.

Außerdem ist Französisch eine Weltsprache, weil sie auch in einem großen Teil des Fernen und Nahen Ostens, im afrikanischen Raum, in Teilen Kanadas und Lateinamerikas u. a. die Verkehrssprache ist und das mit erheblich kultureller, soziokultureller Prägung. So werden landeskundliche und interkulturelle Kenntnisse, die mit der Beherrschung der französischen Sprache einhergehen, für uns zunehmend wichtiger…

Alle Finalisten mit Bürgermeister Uwe Becker (re), Generalkonsulin Pascale Trimbach (Mitte 2. Reihe) und DFG-Präsident Christophe Braouet (2. Reihe li ) 

„Ich bin überwältigt, wie viel Potential in unserer Region steckt. Alle nominierten Schülerinnen und Schüler des DFG-Preises haben in diesem Sprachwettbewerb gezeigt, was in ihnen steckt und dass die besondere freundschaftliche Verbindung zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur auf dem Papier steht“, sagte Bürgermeister Uwe Becker. Und er betonte, wie bedeutsam freundschaftliche Beziehungen seien. Das zeige sich angesichts des Erstarkens der nationalistischen Tendenzen in Europa und weltweit. „Natürlich sind nationale Interessen wichtig, sie dürfen aber nicht zu nationalistischen Interessen werden. Die Herausforderungen der Zukunft wird nicht jeder für sich allein lösen können.“ Dafür werde das gegenseitige Verständnis immer wichtiger, so Becker.

Der Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft, Christophe Braouet, hob in seiner launigen Rede besonders die zivilgesellschaftliche Bedeutung des Freundschaftsvertrags hervor, der nicht nur für die Geschichtsbücher tauge, sondern auch lebe, weil er sich von Generation zu Generation erneuern könne, wenn wir nur die „Glut immer wieder anblasen“.

Und er wies auch sprachmalerisch auf die kongeniale musikalische Einleitung der Veranstaltung durch das Blechbläserquintett hin, das eine gelungene Variation des französischen Volksliedkanons „Frère Jacques“ kraftvoll und differenziert hinausblies, warum sich die französische Sprache „mal in leisen, mal in lauten Tönen“ und die Beziehung mal „mal schneller und mal langsamer“ zeige. Und was die nationalistischen Töne angehe, so bekräftigte Braouet: „Wir lassen uns nicht auseinanderbringen.“ Mit dem Preis sei man Botschafter für das, was diesen Saal ausmache. In ihm stecke nicht nur die deutsche, sondern die europäische Geschichte. Charlemagne grüßte also auch beim Verlassen des Kaisersaals.

Weitere Infos über den DFG-PREIS

Von der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt werden jeweils zwei Preise im Leistungskurs und Grundkurs Französisch verliehen. Die Preisgelder sind beim ersten Preis mit 600 Euro und beim zweiten Preis mit 400 Euro für die Schüler sowie beim ersten Preis mit 300 Euro und beim zweiten Preis mit 200 Euro für die Schule dotiert. 1/3 des Preises ist für die jeweilige Schule gedacht.

Die PREISTRÄGER

Der erste Preis Grundkurs Französisch ging an Anna Maria Moll, Main-Taunus Schule Hofheim, der zweite Preis an Elmira Jazdani-Far, Bertha von Suttner Schule, Mörfelden-Waldorf,  der erste Preis Leistungskurs Französisch an Johanna-Hermine Weber, Ziehen Schule Frankfurt und der zweite Preis an Melanie Schwaab, Humboldtschule, Bad Homburg. Finalisten für den Grundkurs Französisch waren außerdem: Lily Cremer Humboldtschule, Bad Homburg und Jason Janis, Anna Schmidt Schule FFM und für den Leistungskurs Französisch Lara Völker, Goethe Gymnasium Kreis Bergstraße  und Nina A. Laut, Lessing Gymnasium, Lampertheim.

Alle Fotos: Petra Kammann