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Geteilte Schwierigkeiten

Schäuble und Hortefeux bei Deutsch-Französischen Gesprächen im Römer

Für eine erfolgreiche Integrationspolitik in den Ländern der Europäischen Union müssen auch die Ursprungsländer der Einwanderer einbezogen werden. Dies haben Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Brice Hortefeux, französischer Minister für Immigration, Integration, Nationalidentität und Entwicklung, am Donnerstagabend bei den zweiten „Deutsch-Französischen Gesprächen in Frankfurt » im Kaisersaal des Römers gefordert. Unter der Moderation von FA.Z. Herausgeber Günther Nonnenmacher diskutierten sie über das Thema „Immigration und Integration: Wie lassen sich Nationalidentität und Vielfalt vereinbaren?“ Zu dem Forum hatte die Stadt gemeinsam mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Frankfurt eingeladen. Die Veranstaltung erinnert an den Abschluss des Elysee-Vertrages im Jahr 1963.

In Frankreich müsse man vor allem die Schwierigkeit lösen, Einwanderer mit Wohnungen und Arbeit zu versorgen, sagte Hortefeux. Um den schulischen Erfolg von Immigrantenkindern zu fördern, plane die Regierung ein Projekt « Französisch als Fremdsprache », das zusätzlich zum Unterricht angeboten werden soll. Er wies auf die Besonderheiten hin, mit denen
Frankreich als Land mit « langer Immigrationstradition » zu kämpfen habe: Beispielsweise leben laut Hortefeux rund 60 Prozent der französischen Immigranten in drei Regionen um Lyon, Marseille und Paris. Während von den französischen Akademikern sechs Prozent arbeitslos seien, sind es nach den Worten Hortefeux bei den Einwohnern mit ausländischen Wurzeln 24 Prozent. Die Unruhen in den Pariser Vorstädten vor zwei Jahren hätten den « spektakulären Misserfolg » der französischen Immigrationspolitik der vergangenen Jahrzehnte gezeigt, sagte Hortefeux. Gleichzeitig hätten Migranten in Frankreich doppelt so viele Unternehmen gegründet wie Franzosen.

Deutschland sehe sich eher dem Problem „schichtenspezifischer Integrationsdefizite“ gegenüber, hob Wolfgang Schäuble hervor. Gerade die sogenannte dritte Einwanderergeneration stehe oft außerhalb der Gesellschaft, was unter anderem daran liege, dass Stellen für Niedrigqualifizierte weggefallen seien. Was die Förderung der Kinder betreffe, habe Deutschland aber von Frankreich bereits viel über frühere Einschulung und Ganztagsschulen lernen können, sagte SchäubIe.

Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hatte zu Beginn der gutbesuchten Veranstaltung gesagt, der Wohlstand Frankfurts wäre ohne die Mitbürger aus alter Welt nicht denkbar: « Sie sind keine Belastung, sondern Erfolgsgarant für diese Stadt. »