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Frankfurt, 31. August 2021

Der chaotische Abzug aus Afghanistan zeigt einmal mehr wie unerträglich die europäische Abhängigkeit von den USA ist: Joe Biden hat den Zeitplan des Abzugs -aus vollkommen verständlichen Gründen- aus innenpolitischen Gründen festgelegt (in einem Jahr sind „Midterm elections“) und die Europäer haben das Nachsehen und müssen nun sehen wie sie mit den Flüchtlingsströmen klarkommen.

 

Die Amerikaner haben seit Mitte August 90 % der 100.000 Landsleute und gelisteten afghanischen Ortskräfte ausgeflogen, die Deutschen 5.300 von (mindestens) 15.000 und die Franzosen 2.800 der 3.500. Frankreich hatte sich schon 2014 aus der NATO-Koalition in Afghanistan zurückgezogen und die Rückflüge schon im Juni begonnen und vor Mitte August schon 1.500 Personen ausgeflogen. Für Deutschland fing die Rückholaktion erst Mitte August an…

 

Nun ist eine koordinierte Aktion Europas gefragt, um eine neue Zuwanderungswelle aus Afghanistan zu verhindern, und nicht in letzter Sekunde- und dann zum x-beliebigen Preis…auf die Güte von Erdogan angewiesen zu sein. Hierzu muss mit den Taliban und den Nachbarstaaten von Afghanistan verhandelt werden, damit diese Auffanglager organisieren, die von Europa finanziert werden. Dies unternimmt gerade Heiko Maas.

 

Diese Flüchtlingsströme werden kein amerikanisches sondern ein europäisches Problem. Genauso wie die wachsende Terrorgefahr in Syrien ein europäisches Problem ist: der vermeintlich gestärkte IS muss bekämpft werden, im Schulterschluss mit den Kurden, die andererseits von Erdogan bekämpft werden.

 

Europa muss eine eigene Antwort auf die kommenden Flüchtlingsströme und die erhöhte Terrorgefahr finden, losgelöst von den Amerikanern. Hierzu schlägt Emmanuel Macron zum einen mit Großbritannien der UNO vor, den Flughafen in Kabul zu sichern um weitere afghanische Helfer ausfliegen zu können. Darüber hinaus äußerte er sich wie folgt vor Journalisten in Bagdad, und dann in Mossul: „Es bin fassungslos, dass in einigen Köpfen zwanzig Jahre Verspätung festzustellen sind, als ob sie den Mauerfall und die Rückkehr der Mächte nicht wahrgenommen hätten. Die USA haben vornehmlich eine auf Asien-Pazifik ausgerichtete strategische Agenda und möchten, dass Europa seinen Beitrag zur eigenen Sicherheit erhöht. Es ist eindeutig, legitim und ich respektiere das. Sie verfolgen eine Außenpolitik gemünzt auf die Mittelschicht, und diese amerikanische Mittelschicht versteht nicht warum Soldaten jahrelang am Ende der Welt in den Tod geschickt werden. Wir Europäer müssen uns also stärker gegen die Destabilisierung unserer Nachbarschaft einsetzen. Die europäische Verteidigung, die strategische Autonomie, das ist jetzt. Wie kann man behaupten gegen den Terrorismus kämpfen zu wollen, wenn man diesen vor unserer Haustür in Afrika und im Nahost blühen lässt?“

 

Seit der Sorbonne-Rede von Emmanuel Macron sind schon vier Jahre verstrichen: seine Vorschläge zur Stärkung Europas sind bis heute ohne deutsche Antwort geblieben. Leider wird auch im Bundestagswahlkampf kaum über die Rolle Europas in der Weltpolitik gesprochen: warum nur?  Dabei wissen wir doch alle, dass der Preis der Unabhängigkeit mit der Zeit steigt…Erdogan versteht dies sehr wohl. China und Russland auch.

 

 

 

Vielleicht weil Corona uns immer noch fest im Griff hat. Mit Einbruch der vierten Welle muss die Impfungsquote weiter erhöht werden um wieder ein normales Leben genießen zu dürfen.

 

Trotz Lockerung am „Freedom Day“ ist die Steigerung der Fall- und Todesfallzahlen in Großbritannien nicht schneller gestiegen als in Frankreich, aber (noch) deutlich höher als in Deutschland.

 

Hoffnung auf eine Begrenzung der Steigerung ergibt sich aus den um 4 Millionen gestiegenen Impfterminen nach Emmanuel Macron’s Ansprache Mitte Juli: die französische Impfquote übertrifft mittlerweile die Deutsche um 7 % %.

 

In Deutschland sind die Zahlen im internationalen Vergleich zwar nach wie vor deutlich moderater, aber die Impfquote stagniert – wie in den USA auch.

 

Frankreich Deutschland Italien Spanien UK USA
Tests pro Tag pro 1000 11,3 1,2 3,5 2,5 11,0 3,3
Fälle 31. August

(*)

6.834.834

(+10,3 %)

3.947.035

(+ 4,5 %)

4.534.499

(+4,1 %)

4.847.298

(+9,0 %)

6.789.189

(14,9 %)

39.057.459

(+11,6 %)

Todesfälle 30. Juli 112.075

(+0,8 %)

91.666

(+0,9 %)

128.088

(+0,4 %)

81.486

(+0,8 %)

129.542

(+1,1 %)

613.228

(+1,4 %)

31. August

(*)

+ 2.545

(+2,3 %)

+ 541

(+ 0,6 %)

+1.058

(+0,8 %)

+2.660

(+3,3%)

+ 3.266

(+2,5 %)

+25.483

(+4,2 %)

Pro Mio.

(Beginn 3te Welle =30.10.20)

1.745

(551)

1.102

(125)

2.139

(631)

1.796

(762)

1.939

(775)

1.965

(707)

Impfungen (% der

Erstimpfung

Vollimpfung

Bevölkerung)

71,4 %

58,8 %

 

64,6 %

59,9 %

 

70,4 %

60,5 %

 

77,8 %

70,2 %

 

70,4 %

62,6 %

 

60,9 %

51,6 %

Quellen : Johns Hopkins Corona Resource Center (https://coronavirus.jhu.edu/map.html) & Oxford University(https://ourworldindata.org/coronavirus-testin)

(*) % im Vergleich zum Vormonat

 

Insgesamt zählt Johns Hopkins weltweit schon über 4,5 Millionen Corona Tote. Insofern die Impfquote in den Entwicklungsländern schwach bleibt (z.B. unter im benachbarten Afrika) ist die Gefahr weiterer Mutationen, die dann auch Europa erreichen, groß.

 

30 % der Franzosen und 24 % der Deutschen wollen sich nicht impfen lassen, weitere 8 % sind sich nicht sicher…: es ist noch viel Überzeugungsarbeit erforderlich.

Christophe Braouet