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Raymond Barre Gastprofessur: Astrid von Busekist

23. Februar 2021 • 19:00 Uhr

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Im Rahmen der Gastprofessur Alfred Grosser am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Johann W. Goethe-Universität: Vortrag auf Deutsch von der deutsch-französischen Politikwissenschaftlerin Prof. Astrid von Busekist, die an der Sciences Po in Paris zu den Schwerpunktthemen Nationalismus und Sprachpolitik arbeitet:
„Titel „Träume von Räumen. Exkurs über die Grenze“

In Kooperation mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main.

 

 

Zum Thema:

Träume von Räumen. Exkurs über die Grenze

„Kurzum, die Räume haben sich vermehrt, geteilt und aufgelockert. Es gibt heute Räume in allen Größen und von allen Sorten, für jeden Gebrauch und für alle Funktionen. Leben heißt, von einem Raum zum anderen gehen und dabei so weit wie möglich versuchen, sich nicht zu stoßen.“ (Georges Perec)

Die Frage ist, wie sich dieses Programm an die heutige territoriale Grammatik anpassen lässt, in der einige Menschen sich stoßen und andere nicht.

Der Begriff der Grenze ist mehrdeutig oder eher polysemantisch, und je nach Sprache kann man mit den verschiedenen Begriffen spielen, die sich auf diese Linie beziehen, die sowohl trennt als auch verbindet.

Sie trennt, weil sie begrenzt; sie vereint, weil sie genau das ist, was zwei benachbarte Einheiten gemeinsam haben: welche Farbe hätte die Trennlinie zwischen einem schwarzen Fleck und einem weißen Hintergrund?

Sie ist mobil, dynamisch und reversibel: das ist der Ursprung der „Front“, wie im Englischen „frontier“ oder im Französischen „frontière“, eine Grenze, die fortschreitet, wie die Front einer Armee oder eines Reiches. Expansion.

Schließlich schützt sie diejenigen, die sie umschließt; diese Idee ist bereits im römischen Limes enthalten, d.h. etymologisch die Straße, und dann später die Befestigungsanlagen, die sie begrenzen. Heute schützt sie den Status des Bürgers innerhalb einer Gerichtsbarkeit. Obhut.

Keine Grenze ist endgültig, alle können überschritten und überquert werden. Selbst die höchsten Mauern werden eines Tages fallen. Labilität.

Diese Vielfalt und Flexibilität der Bedeutungen widersetzt sich der binären Fiktion, die uns die wissenschaftliche Literatur, aber auch der politische Diskurs bietet: einerseits der Traum des Kosmopoliten von einer Welt ohne Grenzen, andererseits das Streben des Nationalisten nach einer Welt mit dichten Grenzen. Keine dieser Fiktionen ist unbegründet, wir haben von offenen Grenzen in Europa geträumt, aber wir wissen auch, dass die Grenzlinie wesentlich ist, um das „Recht auf Rechte“ zu garantieren, das heute in vielen Teilen der Welt verletzt wird.

Ich möchte zeigen, dass das Dilemma der Grenzen (geographische, politische, symbolische und soziale) nur kontextbezogen und mit den Prinzipien der Gerechtigkeit vereinbar gedacht werden kann. Im Bewusstsein der empirischen Grenzen zwischen souveränen Staaten, den Forderungen der Menschenrechte und unseren moralischen Pflichten gegenüber den Heimatlosen, die sich stoßen, und der Freiheit, zu kommen und zu gehen, werde ich mit Georg Simmel argumentieren, dass die Grenze, wie die Tür, eine Schwelle ist.

Veranstaltungsort

Zoom-Meeting
Frankfurt am Main + Google Karte
Webseite:
https://zoom.us

Beschreibung

Datum:
23. Februar 2021
Zeit:
19:00 Uhr

Weitere Angaben

Rubrik/rubrique
Politique
Événement
Conférence/Vortrag
Jahr/année
2021
Langue
allemand/deutsch